Pensioniert die Berliner Geisterbahn!

Es begab sich aber zu der Zeit als die Freude über die scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten der virtuellen Wertschöpfung außerhalb der Kontrolle der Europäischen Zentralbank oder gar der Bundesbank einer gewissen Ernüchterung wich. Der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, hatte eine geniale Idee: Er rief die Bundeskanzlerin an und empfahl ihr die Hypo Real Estate, die auf Umwegen über die Italienische UniCredit, und somit anteilig der Deutschen Bank gehörte, vor dem Absturz zu bewahren. Es drohe eine Kettenreaktion. Das stimmte, denn am Ende der Nahrungskette stand die Deutsche Bank. Die Kanzlerin vermochte Herrn Ackermann, für den sie die Geburtstagsparty im Kanzleramt schmiss die Bitte nicht abzuschlagen und rief ihren Finanzminister, Peer Steinbrück, zu sich. Dieser heckte dann mit Jörg Asmussen, der seinerzeit als Staatssekretär im Bundesfinanzministerium der Regierung Schröder den Finanzmarkt dereguliert hatte, den Hedgefonds den roten Teppich ausgerollt hatte und dafür inzwischen mit dem Direktoriumsposten bei der EZB belohnt wurde, folgenden Plan aus. Man würde die Bürgschaft für die HRE am 29. September 2008 freigeben, einen Tag nach Ablauf der Mithaftungsfrist, die dann verjährt sein würde. So mußte weder die Hypo Vereinsbank als frühere Eigentümerin für die HRE-Schulden haften noch die UniCredit oder gar die Deutsche Bank. Finanzminister Steinbrück hatte dann die ebenfalls geniale Idee, den Fristablauf, der den Steuerzahler haften lassen würde, als Versäumnis und Schlamperei seines Ministeriums darzustellen. In Zukunft würde er sich externen Rat bei der renommierten Anwaltskanzlei Freshfield’s Deringer Bruckhaus, die später auch vom kurzzeitigen Witschaftsminister Guttenberg beauftragt wurde, dessen Schwager dort arbeitete, holen. Fortan wurden Wettbuden deren Investmentbanker sich verzockt hatten als „systemrelevant“ bezeichnet und deren Rettung auf Druck des damaligen Deutsche Bank – Chefs Ackermann mit Kapitalspritzen des Steuerzahlers veranlasst. Anfang Oktober 2008 konnte dann die Frage, wie viele Banken eigentlich noch krachen müßten, bis jemand das Casino schließen würde nur noch von Berlusconi, der ja durch die Liberalisierung und Privatisierung des Finanzmarktes den Wahnsinn erst ermöglicht hatte, beantwortet werden. Die Bundeskanzlerin erkannte immerhin, was gespielt wurde und stellte fest, daß „Im Sozialismus die Banken erst verstaatlicht würden und dann ruiniert“ und daß dies „im Kapitalismus umgekehrt“ sei. Gemeinsam mit ihrem Finanzminister Peer Steinbrück kam sie auf die ebenfalls geniale Idee, daß man aus der Bankenkrise eine Staatsschuldenkrise machen könnte und durch die dann allfälligen Rettungsmaßnahmen eine gute Begründung für die Einführung der Schuldenbremse im eigenen Land hätte. Ab jetzt war alles „alternativlos“. Es wurde schnell klar, daß die Lösung der Finanzkrise durch strenge Regulierung der Finanzmärkte und die Schließung der „Casinos“ überhaupt nicht auf der Tagesordnung stand, denn wenn auch nur eine der neuen Regeln ernsthaft umgesetzt würde, müßte auch im von Thatcher und Blair de facto de-industrialisierten Großbritannien wieder gearbeitet werden. 67% des britischen Bruttoinlandsproduktes ist mehr oder weniger direkt von der „City“ und ihrem Finanz-Karussell abhängig. Zum Glück sieht es in Deutschland Dank einer guten mittelständischen Industrie besser aus. Der von Rot-Grün seinerzeit ausgerollte rote Teppich für die „Heuschrecken“ hat seine Wirkung nicht mehr voll entfalten können, weil die Krise dazwischen kam, aber auch die große Koalition aus CDU und SPD hatte im Koalitionsvertrag die Ausweitung des Verbriefungsmarktes (also den Handel mit solchen ‚Wertpapieren‘ die uns heute als finanzieller Giftmüll um die Ohren fliegt) beschlossen. Frau Merkel und Herr Steinbrück haben auch hier an einem Strang gezogen, an dem, das sieht man jetzt, der Steuerzahler hängt.