Das Märchen der Deutschen

Austerität und Fiskalpakt bald auch in Deutschland?


Die „Arbeiterpartei“ SPD droht mit der Einführung der „Agenda 2020“. Dieselben Leute, die die „Agenda 2010“ verbrochen haben, lügen schon wieder, daß sich die Balken biegen, um weitere harsche Kürzungen (in der Herrschaftssprache ‚Austerität‘ genannt) durchzudrücken.
Ein Grund für die miese Lage in Deutschland ist die zusammenbrechende Binnennachfrage. Seit der deutschen Einheit im Jahr 1990 sind Löhne und Sozialleistungen stark gesunken, obwohl der gesamtgesellschaftliche Kuchen ständig gewachsen ist und die Pro-Kopf-Einkommen gestiegen. Das Lohnniveau dümpelt (inflationsbereinigt) auf dem Stand von 1983 dahin. Besonders die Agenda 2010 von Bundeskanzler Schröder und seiner „Rot-Grünen“ Regierungskoalition hat diese Entwicklung verschärft. Hier die Bruttolohn-Entwicklung:

 

Bruttolohn
Bruttolohn-Entwicklung
Quelle: AMECO-Database, WSI Mitteilungen 11/2000

 

Noch extremer wird der Unterschied, wenn man die bereinigte Lohnquote auf Grundlage der Nettolöhne und Gehalter – d.h. auf Basis dessen, was der einzelne Beschäftigte real am Monatsende nach hause trägt – ermittelt. Dann kennt die Kurve seit 1960 überhaupt nur noch eine Richtung: bergab. Wobei sich der Absturz seit 1993 nochmals beschleunigt hat: 

Nettolohn
Nettlohn-Entwicklung
Quelle: AMECO-Database, WSI Mitteilungen 11/2000

 

Hätte die Nettolohnquote 2001 wenigstens noch auf dem Level von 1990 gelegen, hätten die Erwerbstätigen zusammen über etwa 70 Milliarden Euro mehr an Einkommen verfügt. Und dieser Lohnbestandteil wurde keineswegs in erster Linie durch steigende Sozialbeiträge aufgefressen. Das wird klar, wenn wir eine “Soziallohnquote” berechnen, die die gesamten vom Arbeitnehmer zu zahlenden Sozialbeiträge im Zähler enthält, nicht jedoch Lohnsteuern und Arbeitgeberbeiträge. Der Verlauf einer solchen Soziallohnquote ist dem der Nettolohnquote außerordentlich ähnlich; auch sie sinkt kontinuierlich. Während die Beschäftigten 1960 immerhin noch über einen „Soziallohn“ in Höhe von etwa 50 Prozent der Wertschöpfung verfügten, um ihren Lebensunterhalt, ihre Gesundheitsausgaben, ihre Renten und ihre Absicherung für den Fall von Arbeitslosigkeit zu finanzieren, schrumpfte dieser Anteil bis 2001 auf ein Niveau von nur noch 39 Prozent. Wäre der Anteil auf dem Level von 1960 verblieben, würden die Arbeitenden 2001 über einen „Soziallohn“ von 26 652 Euro pro Kopf verfügen, über 5 500 Euro mehr als sie tatsächlich hatten. 

Mehrwertrate Nettolohn-Quote Deutschland
Mehrwertrate Nettolohnquote Deutschland
Quelle: AMECO-Database, WSI Mitteilungen 11/2000

 

Diese Kurve zeigt, daß die Einkommensposition der Beschäftigten in der Bundesrepublik in Nettowerten sich relativ zur Einkommensposition der Bezieher von Gewinn- und Vermögenseinkommen stetig verschlechtert hat, wobei das Tempo der Umverteilung seit Anschluß der DDR immens beschleunigt wurde. In der Konsequenz arbeiten diejenigen, die noch Arbeit haben, einen immer geringeren Teil der Zeit tatsächlich für sich selbst. Mehr als die Hälfte ihres Arbeitstages arbeiten sie für andere, in erster Linie allerdings nicht für „den Staat“, wie ein gängiges Vorurteil lautet, sondern für diejenigen, die über Betriebsvermögen, Aktienpakete und Gelddepots verfügen und ihre Bezüge über die Jahre beharrlich ausbauen konnten. 

Diese Verschiebung in den Verteilungsrelationen wird noch deutlicher, wenn wir das Verhältnis folgender vier Größen für unterschiedliche Jahre darstellen: 1. das Nettoeinkommen aus Gewinn- und Vermögen (net exploitation share) und 2. den Wert der jährlichen Abschreibung (depreciation share), als den beiden Teilen des Bruttoinlandsprodukts, die sich in der Verfügng der Kapitaleigner – im weitesten Sinn – befinden. 3. Die Summe von Nettolöhnen und Gehältern zuzüglich eines kakulatorischen Selbständigeneinkommens in Höhe des Durchschnittsnettolohns, als Ausweis des Anteils der Arbeitenden an dem von ihnen geschaffenen Reichtum (net labour share). Und 4. die sozialen Transferleistungen (social share), von denen, wenngleich in unterschiedlichem Grade, nahezu alle Schichten der Bevölkerung profitieren: abhängig Beschäftigte, Arbeitslose, Rentner, Kranke, Arbeitslose, aber auch Selbständige, sofern sie z.B. Kindergeld beziehen oder freiwillig gesetzlich krankenversichert sind. 

Die Relation zwischen diesen vier Arten von Bezügen hat sich in den zurückliegenden 50 Jahren in der Bundesrepublik folgendermaßen verändert: 

1960
Relation zwischen den Bezügen (1960)
Quelle: AMECO-Database, WSI Mitteilungen 11/2000

 

1970
Relation zwischen den Bezügen (1970)
Quelle: AMECO-Database, WSI Mitteilungen 11/2000
1980
Relation zwischen den Bezügen (1980)
Quelle: AMECO-Database, WSI Mitteilungen 11/2000

 

1990
Relation zwischen den Bezügen (1990)
Quelle: AMECO-Database, WSI Mitteilungen 11/2000
2001
Relation zwischen den Bezügen (2001)
Quelle: AMECO-Database, WSI Mitteilungen 11/2000

 

Man sieht eindeutig, daß die sozialen Transverleistungen, in die die Ausgaben für Gesundheit und Rente ebenso eingehen wie Arbeitslosenversicherung und Sozialhilfe, ihr anteiliges Gewicht über 40 Jahre hinweg kaum verändert haben - trotz lautdebattierter Veränderungen in der demographischen Alterspyramide und der Vervielfachung der Zahl der Arbeitslosen. Die ausschlaggebende Verschiebung, die wir sehen, ist die zwischen dem Nettoarbeitseinkommen, das grün eingezeichnet ist, auf der einen Seite und dem blau und Türkis gezeichneten Einkommensanteil der Kapitaleigner.
Schröder’s und Merkel‘s Politik tut alles dafür, daß diese Verschiebung in der Verteilung des Einkommens beschleunigt fortgesetzt wird. Beendet werden kann dies wohl nur, wenn die Betroffenen und ihre Interessenorganisationen diesen hemmungslosen Angriff auf ihren Lebensstandard endlich mit massiver Gegenwehr quittieren. HARTZ IV muß wieder durch anständige Sozialleistungen ohne Sanktionen ersetzt werden, denn nur das ist menschenwürdig!
Glaubt Rot – GRÜN und allen anderen, die die „Demographie-Lüge“ erzählen nicht und sagt „Nein!“ zur Agenda 2020! 

Zu dem Thema ist der Dokumentarfilm „Das Märchen der Deutschen“ bundesweit im Vertrieb. Bei Interesse an einer Vorführung mit anschließender Diskussion bitte an kontakt@ralph-niemeyer-fuer-ein-rotes-land.de wenden.